Südafrika – Einmal anders!
Heute spielte die Nationalmannschaft – Aber dafür interessiert sich mein Hund nicht wirklich. So musste ich natürlich mitten im Spiel (nicht in der Pause!) raus. Nun gut, kaum ist man durch die Tür, ist da schon der nächste Hundehalter…
Der mich auch gleich auf eine Idee brachte. Südafrika, ja, ist da nicht auch etwas mit einer bestimmten Dogge… gewesen? Ist da nicht auf meiner Postkarte die zuletzt aus Südafrika kam eine doggenartige Statue zu sehen?
Wie es so ist, kaum wieder Zuhause, war das Spiel spannend. Idee vergessen. Wie so oft. Jetzt eben zufällig durch das www gestöbert, dabei ein Foto gefunden. Hm, Nuisance steht da bei einem Foto. Komisch, musste ich heute nicht schon einmal daran denken???
Able Seaman “Just Nuisance”, genau, das ist “die” Dogge die auf so mancher Südafrika Postkarte zu finden ist. Und ihre Geschichte ist einfach gut! Bekannt ist über diese Dogge fast alles. Fangen wir vom Ende an. Die Statue in Simons Town wurde 1985 von Jean Doyle gefertigt. Sie steht unweit von Kapstadt, praktisch auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung.
“Just Nuisance” wurde am 1. April 1937 geboren, in Rondebosch. Sein Halter, Benjamin Chaney, leitete das 2United Services Institute” in Simons Town. Dieses wiederum wurde naturgemäß von den Marine Soldaten der Royal Navy besucht.
Der immer größer wachsende Welpe entwickelte schnell eine Lieblingsbeschäftigung, die ihm seinen Namen einbringen sollte. Er lag förmlich am liebsten überall herum, aber sehr gern auf der Spitze der Landungsbrücke. Was dazu führte dass man oft ein “You’re just a nuisance, why do you have to lie here of all places?” hörte. Du bist nur ein Ärgernis, warum liegst du überall herum. Nuisance wurde sein Name.
Nuisance lerne alsbald eine neue Leidenschaft kennen. Er begleitete oft und gerne und überall seine neuen Freunde, die Marine Soldaten. Auch wenn diese in ihrer Freizeit nach Kapstadt fuhren, per Eisenbahn. Sicher konnte er seine Haltestelle erkennen. Er begleitete so gerade betrunkene Matrosen sicher zurück zur Kaserne. Nicht selten sogar welche anderer Kasernen. Er hatte schnell viele Freunde unter den Matrosen. Leider aber missfiel der Eisenbahngesellschaft dieser Passagier sehr. Just Nuisance war in der Bahn nicht willkommen, ihn vor dem Schaffner zu verstecken gelang bei seiner Größe ja auch nicht. Und er liebte die Sitze doch sehr! Wurde er von manchem Zugbegleiter zum Aussteigen genötigt, wusste er doch auf den nächsten Zug zu warten. Oder unfreundlich zu knurren, meist eben diesen Menschen aber anspringend. Die Bahngesellschaft wandte sich alsbald an den Besitzer, dieser möge den Hund doch besser kontrollieren. Oder aber man müsste sich andere Schritte einfallen lassen. Ein anderer Passagier bot sich gar an, für die Dogge eine Dauerkarte zu kaufen. Über den Wunsch der Bahn diesen Hund nicht mehr zu befördern, empörten sich sehr viele Bewohner der ganzen Umgebung.
Da hatte die Royal Navy doch eine eigene, viel bessere Idee. Am 25. August 1939 wurde Nuisance in die Marine aufgenommen. Man änderte seinen Namen; aus Nuisance in Just Nuisance, also “einfach lästig” – um einen Vor- und Zunamen vorweisen zu können, seinen Beruf gab man mit “Knochen Zerstörer” an, als Konfession wurde “Schnorrer” vermerkt. Diesen Eintrag veränderte man später, eine “Canine Divinity League [Anti-Vivisection]” wurde aus dem Nichts erschaffen. Ordnungsgemäß wurde er bemustert, seine Untersuchungen meisterte er natürlich. Seine Unterlagen unterzeichnete Just Nuisance mit seinem Pfotenabdruck.
Der neue Soldat hatte jetzt einen Freifahrschein für die Bahn, sein eigenes Bett in der Kaserne, durch verschiedene “Kämpfe” stieg er sogar im Rang. So dass sogar seine Verpflegung und Rentenanspruch abgedeckt war. Er schaffte es so zum “Able Seaman”. Und soll sogar manchmal seine Uniform getragen haben, zumindest Kopfbedeckung und Halstuch.

Seine Hauptaufgabe war als Maskottchen die Moral der Truppe zu stärken, Just Nuisance war ja beliebt und bekannt wie kaum etwas anderes im Ort. Viele Zeitzeugen meinten Just Nuisance sei mehr als nur ein Hund. Ein Engel war er dabei nie, sein Führungszeugnis hatte so manchen Eintrag. Ganz wie seine zweibeinigen Freunde verschlief er schon einmal seinen Einsatz, sogar in fremden Betten, verließ die Pub’s erst zur Sperrstunde oder fuhr ohne das mitführen seiner Fahrkarte Bahn. Er war auch verantwortlich für den Tod zweier Maskottchen anderer Besatzungen.
Am 1 Januar 1944 wurde er aus der Marine entlassen. Nicht völlig grundlos sollte der Montag sein letzter Arbeitstag sein. Ein Autounfall hatte ihm zugesetzt, Thrombose und die überdeutlichen Anzeichen seiner fast sieben Jahre führten zusätzlich zu einer langsam einsetzenden Lähmung. Diese veranlasste den Tierarzt die Empfehlung zur Einschläferung auszusprechen. Am 1 April 1944, also an seinem siebten Geburtstag, wurde er erlöst. Der Schiffsarzt erlöste ihn im Simonstown Naval Hospital.
Mit vollen militärischen Ehren wurde Able Seaman “Just Nuisance” am 2 April 1944 feierlich beerdigt. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Red Hill, im offiziellen Klaver Camp. Sein lebloser Körper wurde ebenso mit der Flagge der entsprechenden Division versehen, es fehlten auch nicht die Ehrenschüsse oder das typische Signal aus dem Horn.
Südafrika bietet also weit mehr als Fußball, Able Seaman “Just Nuisance” ist weltweit einmalig! Und eine Deutsche Dogge, gelb und ohne Maske.
Just Nuisance wurde sogar einmal Vater. Mit der Dogge Adinda zeugte er immerhin offiziell fünf Welpen. Seit 2000 gibt es inzwischen sogar einen Ähnlichkeitswettbewerb. Der Mythos Just Nuisance ist von Simons Town nicht mehr zu trennen.




