Paul – “Der größte Schatz der Welt…”

So beginnt Paul´s Frauchen die Beschreibung ihres abzugebenden Doggenrüden Paul. Paul wird ausschließlich in ein neues Zuhause ziehen, weil sein Frauchen aufgrund eines Bandscheibenvorfalles nicht mehr in der Lage ist, Paul das Leben zu ermöglichen, …

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Aus der Sicht einer Innenarchitektin: “Hunde sind wunderbar im Haus, ihre Präsenz ist dekorativ, sie verschönern jede Wohnung.” Hier der komplette heute in Welt online erschienene Text, der sich wirklich zu lesen lohnt, wenn man sich für andere Menschen interessiert. Eine Dogge kommt auch drin vor. Im übrigen hat die Dame auch hier vor ein paar Wochen nachgefragt. Kommentare willkommen.

WELT AM SONNTAGAutor: Elke Bodderas|06:27

Die schönsten Hundehütten der Welt

Wenn Rassehunde bei Top-Designern einziehen, bekommen sie manchmal sogar ein eigenes Zimmer. Manuela von Perfall hat schon einiges erlebt

 

Hunde zerkauen den guten Teppich, Hunde wedeln das Porzellan aus dem Regal, Hunde nagen an Stilmöbeln und Hunde probieren die Vorspeise, während der Besuch im Flur den Mantel ablegt. Hunde verlieren ihre Haare überall. Kann es ein Hundeleben geben in staubfrei gepflegten Designer-Wohnungen? Die Münchner Autorin Manuela von Perfall hat, zusammen mit einer Fotografin, 18 hochdekorierte Privat-Locations besucht, in denen Hunde mit Menschen zusammenleben.

 

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Welt am Sonntag: Sie haben Designer, Schauspieler, Bankdirektoren besucht. Lauter schöne Burgen, Häuser, Luxuswohnungen mit schönen Menschen und schönen Hunden drin. Was machen denn Hundehaare auf der Designer-Couch so her?

 

Manuela von Perfall: Ach, die meisten Leute waren entspannt. Das ist typisch für alle, die in Hundewohnungen leben. Mit der Perfektion nimmt man es nicht so genau, weil es auch nicht anders geht. Eine Ausnahme war das Haus von dem Designer-Ehepaar Dreer. Ein weißer Bauhaus-Bungalow, Stahl, Glas, Putz, in Oberbayern. Alles puristisch, sogar der Garten ist streng in Fasson, der Rasen von Bambusbüschen gegliedert. Der Hund, Phill, ein Gordon-Setter, hat ein eigenes “Schlamm-Zimmer”. Er kennt das: Nach dem Spaziergang geht’s da rein. Zum Waschen, Föhnen, Trocknen.

 

Welt am Sonntag: Die Leute in Ihrem Buch haben meist mehrere Hunde. Ab wann steht die Wahl an, sich zwischen der perfekt gestylten Wohnung und den Tieren entscheiden zu müssen?

 

Manuela von Perfall: Ich bin tatsächlich erstaunlich vielen Menschen begegnet, die sogar ein ganzes Rudel halten. Meistens läuft das so: Die Leute haben einen Hund. Dann sehen sie einen zweiten im Tierheim und denken, ein zweiter geht noch. Dann kommt ein Freund, der für ein paar Tage keine Zeit für seinen Hund hat – und so kommen sie ganz schnell zum dritten Hund. Ich habe allerdings niemanden erlebt, der das bereut hätte. Mehrere Hunde sind meist pflegeleichter als einer. Hunde sind Rudeltiere, die beschäftigen sich gegenseitig. Den krassesten Fall habe ich bei der Hamburger Tierschützerin Agnieszka Draabe erlebt, die hat 23 Hunde – und beschäftigt dafür sogar ein eigenes Personal.

 

Welt am Sonntag: Warum sind die Wohnungen so sauber? Wo sind die zerkauten Sofakissen, das zerkratzte Parkett? Und haben nicht alle schnell die Wohnung geputzt, bevor Sie kamen?

 

Manuela von Perfall: Das täuscht. Natürlich war es sauber, aber die eine oder andere Quietschmaus liegt eben immer herum, das lässt sich mit Hunden nicht verhindern. Aber ich versichere: Es geht. Man kann mit Hunden schön und aufgeräumt wohnen. Hunde sind wunderbar im Haus, ihre Präsenz ist dekorativ, sie verschönern jede Wohnung. Ich habe den Hund eines Bankdirektors erlebt, der ihn jeden Tag mit ins Büro begleitet. Er nimmt sogar aushäusig an Geschäftsterminen teil. Ein Berner Sennenhund. Der Bankdirektor fragt ihn dann, na, haben wir noch einen Termin heute? Und der Hund sieht ihn mit großen Augen an. Wir haben Stadtwohnungen fotografiert, Landhäuser, Zwei-Zimmer-Wohnungen und eine Burg. Im Prinzip lief es immer auf das Gleiche hinaus. Es ist das Wesentliche: Die Leute lieben ihre Hunde. Mehr als alles andere.

 

Welt am Sonntag: Die Hunde drapieren sich auf dem Parkett, als wären sie selber Möbel. Waren die alle so brav?

 

Manuela von Perfall: Ach was. Meine Kollegin musste sich erst eine halbe Stunde regungslos auf den Boden setzen, bis sich die Hunde abgeregt hatten und sie fotografieren konnte. Hunde machen nie, was sie sollen. Will man ihr Gesicht, drehen sie sich um und zeigen den Hintern. Erstaunlich schwierig waren auch die Besitzer. Die meisten wollten ihre Hunde in Pose setzen. Natürlich ging das schief.

 

Welt am Sonntag: Bei dem Designer Nino Cerruti und seinen Rauhaardackeln in Italien haben Sie drei Tage verbracht. Wer war anstrengender? Cerruti oder die Dackel?

 

Manuela von Perfall: Die Zeit war herrlich. Die Familie hält seit drei Generationen und mehr als 80 Jahren Rauhaardackel. Für seine Hunde hat Cerruti Halsbänder entworfen – und er bringt sie jeden Abend mit einem Gutenachtkuss ins Bett. Wenn er zum Kellerschlüssel greift, sind die Hunde außer sich. Dann wissen sie, dass sie da unten nach Mäusen jagen dürfen. Beim Schauspieler Erol Sander hatten wir leider nicht so viel Zeit. Nur einen halben Tag, das musste alles schnell gehen. Er hatte aber auch zwei ungemein souveräne, gravitätisch gelassene Hunde. Die machten alles, was er sagte. Denen konnte man sogar sagen, sie sollten jetzt mal in die Kamera gucken.

 

Welt am Sonntag: Alles sieht so schön aus in dem Buch, edel, lachende Menschen, gemütliche Wohnungen, schlafende Hunde – und man denkt, das könnte als Höhepunkt gemeint sein, das Beste am Hund: dass er heimelig oder dekorativ die Einrichtung verschönert.

 

Manuela von Perfall: Auf keinen Fall. Alle lieben ihre Hunde. Viele haben ihre Wohnung extra pflegeleicht eingerichtet. Mit Sofas aus Leder, damit die Hundehaare nicht hängen bleiben. Die Schauspielerin Katerina Jacob wohnt zwar in einem Landhaus – hat aber Böden aus Kunststoff eingelegt.

 

Welt am Sonntag: Haben die Hunde das gewürdigt?

 

Manuela von Perfall: Alle waren auf ihre Weise sehr, sehr sozial und sehr gut erzogen. Keiner hat geknurrt. Mein Lieblingshund war der Hund vom Bankdirektor. Paula, eine Berner Sennenhündin. Die steckte voll im Finanzgeschäft mit drin. Der Direktor fragt sie: ” Sollen wir los auf Geschäftsreise? Wie wär’s mit essen gehen?” So ein gemütlicher Sennenhund, dazu der Bankdirektor, ein Inbegriff der Seriosität. Das war schon ein tolles Bild. Ansonsten habe ich den Foxterrier von der Münchner Designerin Lola Paltinger geliebt. Vor ihrem nostalgischen, verspielten Ambiente sah der aus wie ein Porzellanfigürchen.

 

Welt am Sonntag: Haben Hunde einen Sinn für Design?

 

Manuela von Perfall: Sie wissen genau, wo sie sich wohlfühlen und wo nicht. Der Hund des Bankdirektors zum Beispiel hat dessen Altbauwohnung ausgesucht. Er hat sich bei der Besichtigung in die Mitte eines Zimmers gelegt und ausgesprochen zufrieden ausgesehen. Da haben sie beschlossen: Das ist das Richtige. Ein Sprichwort besagt übrigens: Wohin der Hund sich legt, ist der beste Platz für den Menschen. Für seinen Schreibtisch wie für sein Bett.

 

Welt am Sonntag: Passten die Menschen zu ihren Hunden?

 

Manuela von Perfall: Es ist unglaublich, wie Hund und Herr sich ähneln können. Erol Sander zum Beispiel und seine Ridgebacks. Bei Agnieszka Draabe wäre ich allerdings nicht drauf gekommen, dass die kleine, zierliche Frau ausgerechnet Bordeaux-Doggen liebt, diese plattnasigen, riesigen Bluthund-artigen Wesen. Die Innenarchitektin Gräfin Charlotte von Bismarck hat eine riesige Dogge. Die passt wunderbar zum Style der Wohnung. Alles in Grau, dazu der riesige Hund neben der zierlichen Frau. Sehr dekorativ. Und das hat sie auch gewusst, glaube ich.

 

Welt am Sonntag: Also gibt es tatsächlich Menschen, die sich den Hund passend zur Wohnung aussuchen?

 

Manuela von Perfall: Das macht niemand. Hunderassen sind keine Marken wie Adidas oder Prada. Und damit wird auch niemand glücklich. Das kann man aktuell am Ungarischen Jagdhund sehen, dem Vizsla. Der ist wunderschön, mit kurzem, karamellfarbenem Fell. Viele kaufen ihn aus ästhetischen Gründen. Aber er braucht mindestens drei Stunden Bewegung am Tag und ist todunglücklich, wenn er merkt: Seine vornehmste Aufgabe ist, in der Wohnung eine gute Figur abzugeben. Die Recherchen zu diesem Buch waren eine hochemotionale Angelegenheit, und für uns stellten sich immer die Hunde als Schlüssel zu den Besitzern heraus. Sie werden das Gleiche an jeder Straßenecke erleben – zwei Hundebesitzer begegnen sich und sind sofort im Gespräch.

2 Kommentare »

  • debbine sagt:

    Ich habe den Artikel nicht gelesen, aber das Zitat, dass Hunde jede Wohnung mit ihrer dekorativen Präsenz verschönen, schmeckt mir nur bedingt.
    Es gibt auch Porzellanhunde, wenn es nur um die Dekoration geht.

    Beim aktiven, hundegerechten Leben mit einem Hund bleibt die dekorative Seite einer Wohnung im übrigen recht oft auf der Strecke.

    Also wer einen Hund als Zuwachs für die Familie sucht, sollte sich nicht von ästhetischen Gesichtspunkten leiten lassen und wer seine Wohnung verschönern will sollte auf Porzellan und Stoffhunde zurückgreifen.
    Nicht dass der Hund bei nächsten Umdekoration im Tierheim landet.

    • Claudia sagt:

      Nur um es klarzustellen: Selbstverständlich bin ich nicht gleicher Meinung wie die interviewte Innenarchitektin. Als ich den Artikel fand, fand ich nur, dass er den Nagel auf den Kopf trifft. Viele Hundeinteressenten, auch die, die sich bei einer Nothilfe melden, suchen ihren Hund nach obtischen Kriterien aus. Hierzu zählen Rasse- und auch die Wahl des Farbschlages des neuen Hausgenossen. Es ist ein bisschen ein Spiegelbild unserer Zeit. Der Wunsch nach Perfektion und Schein. Wenn Sie ein bisschen Zeit haben, lesen Sie doch mal den Artikel. Eine Dogge kommt auch drin vor und die Doggenhalterin hat hier vor ein paar Wochen angerufen und, wenn ich mich nicht irre, einen Hund der Doggennothilfe übernommen.

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